Baden-Württemberg  |  Regenerative Energiequellen

Wachwechsel beim Strommix

In Baden-Württemberg entstehen immer mehr regenerative Energiequellen. Dadurch wurde im südwestlichen Bundesland im Jahr 2020 erstmals mehr Strom durch erneuerbare Energieträger als durch Kernenergie erzeugt. Allerdings reicht das derzeitige Tempo beim Ausbau nicht aus, um die Klimaziele zu erreichen.  

Von Jens Bartels
Bildquelle: iStock / BulentBARIS

Es ist ein historischer Wechsel auf dem Spitzenplatz. Nach aktuellen Angaben des Statistischen Landesamtes ist der Anteil erneuerbarer Energien an der Bruttostromerzeugung in Baden-Württemberg im Jahr 2020 auf rund 41 Prozent gestiegen. Damit standen die erneuerbaren Energieträger erstmals vor Kernenergie (25 Prozent) an erster Stelle im baden-württembergischen Strommix. Wichtigster erneuerbarer Energieträger im Land blieb 2020 die Fotovoltaik. Die Erzeugung durch Photovoltaikanlagen stieg gegenüber dem Vorjahr um 8,6 Prozent und kam auf einen Anteil an der Bruttostromerzeugung von 12,9 Prozent. Auch die Stromerzeugung aus Windkraft konnte im Vergleich zum Vorjahr zulegen (plus 2,7 Prozent). Ihr Anteil am baden-württembergischen Strommix stieg auf 6,7 Prozent.

Mehr Tempo beim Ausbau
Allerdings reicht die Geschwindigkeit beim Ausbau nicht aus, um die Klimaziele zu erreichen. Diese Ziele hat die Landesregierung im Herbst 2021 verschärft: Spätestens 2040 soll der Südwesten klimaneutral sein, bisher waren 90 Prozent Treibhausgaseinsparung bis 2050 anvisiert. Eine Studie im Auftrag der Plattform „Erneuerbare Energien Baden-Württemberg“ zeigt, was das für den Ausbau erneuerbarer Energien im Land bedeutet. Danach muss sich trotz massiver Energieeinsparung die installierte Leistung zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energieträgern bis 2040 mindestens verfünffachen. Dafür sind aber zahlreiche Nachbesserungen des regulatorischen und wirtschaftlichen Rahmens notwendig.

Strompreise könnten durch regenerative Energiequellen sinken
Grundsätzlich steht schon heute fest: Der schnelle Ausbau der erneuerbaren Energien ist entscheidend, um langfristig kostengünstig Strom produzieren zu können. Tatsächlich sind erneuerbare Energien bereits jetzt in der Erzeugung im Vergleich zu Gas- oder Kohlestrom die günstigeren Stromquellen. Die Kosten für die Energiewende und vor allem die EEG-Umlage verteuern sie allerdings. Wird diese gestrichen, könnten die Strompreise insgesamt zumindest langfristig fallen. Wie schnell das gelingt, hängt jedoch auch davon ab, wie flexibel das Stromsystem künftig wird.

Erschienen April 2022 in Grünes Baden-Württemberg

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