Deutschland  |  Gastgewerbe

Die Branche muss umdenken

Ob in Service, Küche oder an der Rezeption – in Deutschlands Hotels und Restaurants mangelt es an Personal. Die Branche muss sich dringend attraktiver aufstellen.

Katharina Lehmann
Bildquelle: Foto: iStock / dragana991

„Mitarbeiter gesucht“ – solch ein Aushang ist derzeit in vielen Restaurants und Bars zu finden. Manche Wirte haben gar die Öffnungszeiten eingeschränkt, die Speisekarten zusammengestrichen oder lassen das Lokal mehrere Tage in der Woche gleich ganz geschlossen, weil die verbliebenen Mitarbeitenden das Pensum sonst nicht mehr schafften. Und auch Hotels brauchen brauchen dringend Personal. So suchten einer Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) zufolge Anfang Juni mehr als 60 Prozent der gastgewerblichen Betriebe Fach- und Hilfskräfte. Rund 300.000 Beschäftigte haben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zufolge die Branche während der Coronakrise verlassen. Sie arbeiten heute vor allem im Einzelhandel, in der Ernährungsindustrie, in der Logistik oder in der Erziehung, aber auch in Arztpraxen, Anwaltskanzleien und an der Rezeption von Unternehmen. In die Gastronomie zurückkehren wollen die wenigsten.

Interne Strukturen im Gastgewerbe modernisieren

Denn der Fachkräfteengpass liegt nicht nur in der Coronapandemie begründet. Klar, zwei Jahre voller Unsicherheiten mit Lockdowns, Kurzarbeit und Kündigungsängsten haben ihre Spuren hinterlassen. Doch schon vor der Pandemie hatten Gastronomen Probleme, neue Mitarbeitende und vor allem Auszubildende und Nachwuchskräfte zu finden. Die NGG hat nun 4.000 Beschäftigte nach ihren Gründen für einen Berufswechsel befragt – Mehrfachnennungen waren möglich. Als häufigsten Grund nannten 80 Prozent der Befragten „zu wenig Geld“. 70 Prozent fühlten sich nicht genug wertgeschätzt, 57 Prozent empfanden die psychische Belastung als zu hoch, ebenfalls 57 Prozent bemängelten, dass ihr Job nicht mit ihrem Privatleben und einer Familie vereinbar sei.

Hier muss die Branche ansetzen: „Das Problem liegt im mangelnden Verständnis auf Führungsebene, eigene interne Strukturen zu modernisieren sowie auf die Wünsche von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern der heutigen Zeit einzugehen“, hat auch Alexander Laubner erkannt. Laubner ist Gründer der Agentur Performance Hotel, mit der er Hotels, Apartmentanlagen und Urlaubsresorts bei der Gewinnung von Gästen und Mitarbeitenden unterstützt. Er fordert ein radikales Umdenken: neue Denkansätze und einen Führungsstil auf Augenhöhe mit den Mitarbeitenden, dazu klare Strukturen, beständige Weiterentwicklung und Wertschätzung. „Daneben bedarf es einer Anpassung der Arbeitszeitmodelle und Gehaltsstrukturen.“ Gastronomen, die an diesen Stellen ansetzen, werden Fachkräfte auch in Zukunft überzeugen können. 

Erschienen Dezember 2022 in Karriere 2023

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